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 Wie das Gänseblümchen zu seinem Namen kam 
Richard von Lenzano
Es ist schon ganz viele Jahre her, als auf einem großen Bauernhof an der Ostsee eine Bauernfamilie lebte. Da waren Vater und Mutter und die beiden Kinder Fritz und Julchen, die mit ganz vielen Tieren zusammenlebten. 
Wenn Julchen und Fritz nicht in der Schule waren, tollten sie den ganzen Tag auf dem Bauernhof und den großen angrenzenden Wiesen herum. Sie spielten verstecken und fangen und liefen mit den Tieren um die Wette. 
Und dann gab es da noch genau 27 Gänse. Die waren normalerweise auf einer Wiese, die mit einem Drahtzaum umgeben war, damit sie besser beaufsichtigt werden konnten. 
Den ganzen Tag war von den Gänsen ein fürchterliches Geschnatter zu hören, sie hatten sich ja so unsagbar viel zu erzählen. Meist fing eine zu schnattern an und die anderen antworteten dann alle auf einmal. 
Julchen und Fritz waren aber trotzdem von den Tieren so begeistert, dass sie immer mehr Zeit in der Nähe der Gänse verbrachten. Dabei machten sei eines Tages eine besondere Entdeckung. Da dies aber schon spät am Abend war, wollten sie am nächsten Tage noch einmal besonders darauf achten, ob das, was sie tatsächlich gesehen hatten, auch richtig war. 
Als beide in ihren Betten lagen und noch einmal die Erlebnisse des Tages austauschten, kamen sie noch einmal auf ihre Entdeckung zu sprechen. Sie konnten kaum erwarten, dass die Nacht zu Ende ging und schliefen beide vor Erschöpfung ein. 
Am frühen Morgen, als der Hahn alle Schläfer mit einem lauten Kikeriki weckte und begrüße, waren Julchen und Fritz sofort aus dem Bett. Sie haben sich schnell gewaschen und danach gefrühstückt, als sie auch schon aus dem Haus waren. 
Die Gänse hatten bereits von der Mutter ihr Zusatzfutter bekommen und schnatterten – wie immer - alle durcheinander. 
Dazwischen zupften sie die saftig grünen Blätter des Löwenzahns und seine gelben Blüten mit ihren breiten Schnäbeln ab, und verspeisten sie. 
Dann wurden hie und da einige Grashalme heraus gezupft und ebenfalls gefressen. 
Eine ganze Weile sahen Julchen und Fritz dem Treiben der Gänse zu und stellten fest, dass die Gänse viele, kleine und zarte Blümchen nicht anrührten, sondern einen Bogen um sie machten. 
„Siehst Du, was ich auch sehe“? fragte Fritzchen seine Schwester. 
„Ja, aber warum mögen sie die den gerade diese nicht“? antwortete Julchen. 
Darauf sagte Fritz zu Julchen: „Ich glaube, dass sie diese Blume auch so wunderschön wie wir finden, und sie sie deshalb nicht fressen wollen“… 
Seit dieser Zeit heißt die schöne Blume nur noch 
„Gänseblümchen“ 



Das Gänseblümchen   (Andersens-Märchen)
 
Nun pass auf!-
Auf dem Lande, nahe am Weg, lag das Landhaus. Sicher hast du es schon einmal gesehen! Der Blumengarten davor ist von einem Zaun umgeben, der ist frisch gestrichen. Am Rand der Straße wuchs ein Gänseblümchen, mitten im grünen Gras. Es wurde von der Sonne ebenso beschienen wie die schönen prächtigen Blumen im Garten. An einem Morgen hatten sich alle seine weißen Blütenblättchen entfaltet und sahen aus wie Strahlen rings um den gelben Kelch, der wie die Sonne im Mittelpunkt war. Kein Mensch sah die kleine armselige Blume dort im Gras. Aber darum kümmerte sich das Gänseblümchen nicht, nein, es war glüchlich in der warmen Sonne und hörte zu, wie die Lerche hoch oben in der blauen Luft sang. Dem Gänseblümchen war es, als wenn es Sonntag wäre, und es war nur ein Montag. Die Schulkinder auf ihren Bänken saßen und lernten, und das Gänseblümchen saß auf seinem kleinen Stiel, und es lernte von allem, was es ringsrum sah, wie gut der liebe Gott alles gemacht hatte. Die Lerche konnte alles, was sie fühlte, so herrlich in ihrem Gesang ausdrücken. Das Gänseblümchen bewunderte denVogel, der fliegen und singen konnte, war aber nicht traurig, dass es selbst das nicht konnte. "Wind und Sonne geben mir Küsse, und ich sehe alles und höre alles. Wie reich bin ich doch!" dachte es.
Innen im Gärtchen standen die großen, feinen Blumen. Manche hatten keinen Duft und waren doch so stolz. Die Pfingstrosen wollten größer sein als die Rosen. Die Tulpen waren so bunt und standen kerzengrade da, um recht bewundert zu werden. Für das winzige Gänseblümchen hatten sie keinen Blick übrig. Aber das Gänseblümchen dachte, wie prachtvoll die großen  Blumen doch alle seien, und dass der schöne Vogel sie wohl einmal besuchen würde. Aber in dem Augenblick kam die Lerche herabgeflogen, "witt, witt!" und sie besuchte nicht die Tulpen und Rosen, nein, sie flog ins Gras, so dass das Gänseblümchen fast erschrak und ganz verwirrt war. Die Lerche hüpfte und sang: "Wie weich der Rasen ist und was für eine niedliche kleine Blume hier steht, mit einem Herz aus Gold und so schönen silberweißen Blättchen." Das war ja gar nicht zu fassen, wie froh, wie glücklich das Gänseblümchen darüber war. Der Vogel küsste sie, sang ein Liedchen und flog wieder ins Blaue empor. Sie brauchte ein ganzes Weilchen, um sich von der Freude wieder zu erholen. Dann sah sie hinüber zu den großen Blumen, die aber ganz stolz und steif da standen. Gut, dass die Pfingstrosen nicht reden konnten, sie sahen ganz wütend aus. Man konnte ordentlich sehen, wie schlechtgelaunt sie waren. Nun kam ein junges Mädchen mit einem Messer in den Garten heraus und schnitt eine Tulpe nach der anderen ab.
!Oh, wie schrecklich!, seufzte das Gänseblümchen. "Wie dankbar kann ich sein, hier draußen zu blühen." Beim Sonnenuntergang legte es seine Blättchen zusammen und nachts träumte es so süß von dem Sonnenschein und der Lerche.
Am andern morgen, als sie sich wieder zum Licht wandte, hörte sie die Stimme des Vogels ganz traurig singen. Ach, die arme Lerche! Man hatte sie gefangen und in einen Käfig gesperrt. Da saß sie nun und sang von den Kornfeldern, von ihrem Flug hoch ins Blaue, von der Freiheit, die sie verloren hatte. So gerne hätte das Gänseblümchen ihr geholfen. Aber wie sollte das zugehen? Es musste immerzu an den armen Vogel denken und vergaß alle Schönheit, die ringsum war.
Nun kamen zwei kleine Jungen aus dem Garten. Einer von ihnen hatte ein Messer, genau wie das, mit dem das junge Mädchen die Tulpen abgeschnitten hatte. Sie gingen gerade auf das kleine Gänseblümchen zu. "Sieh, hier könnten wir ein kleines Stück Rasen ausschneiden für unseren Vogel!" sagte der eine Junge und schnitt rings um das Gänseblümchen in die Erde ein. "Die Blume kann fort!" meinte der andere. Da fing das Gänseblümchen an zu zittern, denn es wollte doch nicht abgerissen werden, jetzt, wo es zu der Lerche kommen sollte.
"Lass das Blümchen, es sieht niedlich aus!" sagte der Junge, der den Rasen herausgrub. So blieb sie und durfte mit in den Vogelkäfig. Die Lersche schlug mit den Flügelchen, und das Gänseblümchen hatte auch kein Wort des Trostes. "Sie geben  mir kein Wasser, ich verdurste", klagte der arme Vogel. "Ich werde sterben und nie wieder alles Schöne sehen, was der liebe Gott geschaffen hat." Er sah das Gänseblümchen, und küsste es mit seinem Schnabel, und erfrischte sich an dem kleinen kühlen Rasenstück. "Nun ist jedes Hälmchen für mich wie ein Baum und jedes Blättchen deiner weißen Blüte eine duftende Wiese."
Kein Blättchen konnte das Gänseblümchen bewegen. Aber es duftete so zart und das konnte der Vogel auch merken. Er verschmachtete und berührte die kleine Blüte nicht. Als es dunkel wurde und kein Mensch kam, um dem Vogel einen Tropfen Wasser zu bringen, breitete er die Flügel aus, ließ sein Köpfchen auf die Blume sinken und piepste nur noch leise. Sein kleines Herz war gebrochen. Nun konnte das Gänseblümchen auch nicht schlafen. Es wurde krank und elend vor Trauer.
Am andern Morgen, als die Kinder kamen und den toten Vogel sahen, weinten sie heiße Tränen und schmückten sein kleines Grab. Sie hatten ihn vergessen, als er noch am Leben war, und nun sollte seine Leiche wie ein König begraben werden. Nun wurde er geehrt und beweint.
Aber das Gänseblümchen in dem Rasenstück wurde fortgeworfen. Es lag im Staub und wurde vergessen. Und es hatte doch so großes Mitleid mit dem Vogel gehabt und hätte ihn so gern getröstet.


Die Kornähre
Vorzeiten, als Gott noch selbst auf Erden wandelte, da war die Fruchtbarkeit des Bodens viel größer als sie jetzt ist: damals trugen die Ähren nicht fünfzig- oder sechzigfältig, sondern vier- bis fünfhundertfältig. Da wuchsen die Körner am Halm von unten bis oben hinauf; so lang er war, so lang war auch die Ähre:

Aber wie die Menschen sind, im Überfluss achten sie des Segens nicht mehr, der von Gott kommt, werden gleichgültig und leichtsinnig. Eines Tages ging eine Frau an einem Kornfeld vorbei, und ihr kleines Kind, das neben ihr sprang, fiel in eine Pfütze und beschmutzte sein Kleidchen. Da riss die Mutter eine Handvoll Ähren ab und reinigte damit das Kleid. Als der Herr, der eben vorüberkam, das sah, zürnte er und sprach: "Fortan soll der Kornhalm keine Ähren mehr tragen: die Menschen sind der himmlischen Gabe nicht länger wert." Die Umstehenden, die das hörten, erschraken, fielen auf die Knie, und flehten, dass er noch etwas möchte an dem Halm stehen lassen: wenn sie selbst es auch nicht verdienten doch der unschuldigen Hühner wegen, die sonst verhungern müssten. Der Herr, der ihr Elend voraussah, erbarmte sich und gewährte die Bitte. Also blieb nur noch die Ähre übrig, wie sie jetzt wächst.